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Feierabendwanderung im Zeichen der Archäologie

08.09.2026

Waren die Bruchhauser Steine ein Tor zur Anderswelt in der keltischen Mythologie?

Archäologe Dr. Manuel Zeiler erläutert vor Ort mögliche Zusammenhänge

Gleich zwei hochinteressante Veranstaltungen fanden am gestrigen Donnerstag an den Bruchhauser Steinen statt. Dr. Manuel Zeiler, wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie Westfalen, führte Interessierte zu Schauplätzen und Fundorten auf dem Gelände und ordnete neueste Forschungsergebnisse anschaulich ein.

„Ich wollte immer schon die ältesten Spuren von Bergbau in Westfalen entdecken“, erklärt Dr. Manuel Zeiler mit einem sehr zufriedenen Lächeln, denn genau dies ist ihm im letzten Jahr an den Bruchhauser Steinen gelungen. Aber immer der Reihe nach:

2025 beantragte der renommierte ehrenamtliche Sondengänger Matthias Dickhaus die Genehmigung, auf dem Feldstein, dem höchsten Punkt des Naturmonuments, eine Sondensuche durchzuführen. „Niemals hätte ich erwartet, dass dort oben etwas gefunden wird“ so Dr. Zeiler. Tatsächlich schlug die Sonde aber an einer recht windgeschützten Ecke ganz oben unterhalb des Gipfels an. Behütet von ein paar Heidelbeersträucher fand Matthias Dickhaus zwei Erd-Metall-Klumpen, denen normale Spaziergänger nicht die geringste Bedeutung geschenkt hätten - ganz anders die Fachleute.

 

„Das große Hurra kommt immer erst am Schreibtisch“, erzählt Dr. Zeiler. Als er nach der Bergung der Exponate durch ein Team der LWL-Archäölogie im Opler Büro die Fotos der Ausgrabung ausgewertet habe, sei ihm plötzlich aufgefallen, dass auch ein auf den Fotos zu sehender 45 kg schwerer Mahlstein und ein runder Pochstein an diesem Fundort eine Rolle zu spielen schienen. Und wirklich: hier oben auf dem Feldstein, an extrem unwegsamer Stelle, wurde Quarz abgebaut und sogar auch gemahlen. Der riesige Stein wurde extra dort hoch befördert. „Diesen Quarz hätten die Menschen damals überall auf dem Gelände abbauen können“, erklärt Hubertus Freiherr von Fürstenberg, Protektor im Stiftungsvorstand.

 

Warum dieser Aufwand? - „Wir wissen es nicht“, so Dr. Zeiler. Es liegt aber die Vermutung nahe, dass der Quarz dieses besonderen Ortes als Beimischung in der Herstellung von Tongefäßen in die Welt hinaus getragen werden und diese Gefäße besonders oder heilig machen sollten.

Der Stein wurde offensichtlich nach Ende der Benutzung zerbrochen und die „Wunde im Berg“ gemäß des damaligen Verständnisses sorgfältig wieder verschlossen. „Im Rahmen einer vermuteten rituellen Handlung wurden zwei unbrauchbar gemachte Tüllenbeile im rechten Winkel über der Grube abgelegt“ führt der Experte aus.

In der keltischen Mythologie stellt die sogenannte Anderswelt einen Ort der Götter, Geister und Ahnen dar, dessen Tore an bestimmten Daten und Orten offen stehen. Ein solches Tor zur jenseitigen Welt könnten die Menschen keltischer Kultur in der Eisenzeit im Feldstein, dem höchsten Punkt der Bruchhauser Steine, gesehen haben.

Diese Funde sind außergewöhnlich und lassen deutlich erkennen, dass die Bruchhauser Steine im religiösen Verständnis der Eisenzeit eine wichtige Rolle gespielt haben“, so Dr. Zeiler.

Anschauen kann man den Mahlstein, den Pochstein und zerkleinerten Quarz bereits jetzt in einer neuen Vitrine im Infocenter der Bruchhauser Steine. Repliken der Tüllenbeile werden gerade erstellt und auch Kürze dort zu sehen sein.

 

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